Wenn du lange genug in der Welt der Persönlichkeitsentwicklung unterwegs bist, stolperst du auf kurz oder lang über denselben Ratschlag: Arbeite an deinem Selbstwert.

Er ist gut gemeint und er stimmt auch, manchmal zumindest. Ich glaube jedoch, dass er in vielen Fällen schlicht die falsche Antwort auf die falsche Frage gibt.

Was meine Studie zeigt

Ich führe aktuell eine anonyme Studie zu emotionalen Triggern, Glaubenssätzen und Prägungen durch. An der Studie haben bisher 77 Menschen teilgenommen.

Das Ergebnis hat mich dann doch sehr überrascht.

Der häufigste Glaubenssatz ist nicht so wie ich es erwartet hatte: “Ich bin nicht gut genug.“ Zumindest nicht alleine. Er steht gleichauf mit: „Man kann niemandem vertrauen.“ Beide liegen aktuell bei 34–36% der Befragten.

Das ist für mich mehr als ein statistischer Befund. Es ist ein Hinweis darauf, dass das Selbstoptimierungs-Paradigma an einer entscheidenden Stelle blind ist: Wir sehen den Selbstwert, aber nicht das Vertrauen.

Zwei Wunden – zwei grundverschiedene Fragen

Die Selbstwert-Wunde fragt: Was stimmt denn nicht mit mir? Die Vertrauens-Wunde fragt: Ist diese Welt überhaupt sicher für mich?

Das zwar klingt ähnlich, ist es allerdings nicht. Wenn man glaubt, nicht gut genug zu sein, zweifelt man an sich selbst. Wenn man jedoch glaubt, niemandem vertrauen zu können, dann zweifelt man an der Welt.

Beides führt zu Erschöpfung, Mustern und bestimmten Reaktionen, die größer wirken als die Situation es eigentlich rechtfertigt.

Je nach Thema ist die Lösung eine komplett andere:

Selbstwert-Übungen helfen, wenn die Wunde wirklich Selbstwert ist. Vertrauen hingegen bekommt man nicht durch positive Affirmationen. Hier spielt die Erfahrung eine grundlegende Rolle. Hier könnte das Verstehen des Ursprungs und langsames Erkennen helfen: Damals war das vielleicht einmal sinnvoll. Heute ist es das nicht mehr.

Warum das in der Praxis so schwer zu erkennen ist

Beide Wunden sehen von außen gleich aus. Wir sehen Rückzug, Überperformance, Schwierigkeit, Nähe zuzulassen, Angst vor Ablehnung, Perfektionismus und und und.

Wenn wir jetzt die wahre Wurzel nicht erkennen, behandeln wir lediglich die Symptome und das immer und immer wieder.

Genau das ist der Grund, warum so viele Menschen trotz jahrelanger Selbstreflexion, Therapie, Maßen an Wissen trotzdem an denselben Stellen feststecken.

Sie wollen etwas verändern, aber leider arbeiten sie an der falschen Ebene.

Was du tun kannst

Bevor du nun das nächste Selbstwert-Buch aufschlägst und alle empfohlenen Übungen machst, stelle dir bitte diese eine Frage: Zweifle ich an mir selbst oder zweifle ich an der Welt? Das ist dein Startpunkt. Erst wenn du weißt, welche Wunde du trägst, also Selbstwert ODER Vertrauen, dann kannst du den richtigen Weg gehen.

Wenn du herausfinden möchtest, welche Glaubenssätze dich leiten, findest du mehr über die Neusicht-Analyse auf meiner Angebotsseite.


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